(R)AN(D)STÄNDIG

Vielleicht ist der grösste Dienst, den wir den Menschen auf der Gasse erweisen, der unserer schlichten Präsenz. Egal, was uns begegnet an Verhaltensweisen, verbalen Eskarpaden, traurigen gesundheitlichen Zuständen und himmelschreienden Lebensgeschichten – wir sind da und halten aus, Tag für Tag, morgens, mittags, abends, bei stechendem Sonnenschein und bei Eiseskälte. Weil wir glauben, dass Jesus, wenn er heute durch Basel laufen würde, ganz sicher das Gassenzimmer aufsuchen würde. Davon setzt unsere schlichte Präsenz dort ein Zeichen, denn 1. lebt Jesus in uns und 2. gibt es ja sonst oft keinen oder nur wenige Menschen, die „unsere Leute“ wahrnehmen, freundlich grüssen, an ihrem Leben teilhaben.

Für die Allgemeinbevölkerung ist der Standort der K&A am Dreispitz schon ein Affront, geschweige denn, wenn dann auch noch eine junge Süchtige vor dem MParc um Geld bettelt. Das passt nicht in die Wohlstandswelt zwischen Sonntagszopf und Gartenhäuschen von Herrn und Frau Baslerin. Das ist unbequem, anstössig – und doch prophetisch.

Ich glaube, Basel ist gesegnet mit ein paar Stadtoriginalen aus der Szene, welche die Öffentlichkeit eben nicht scheuen und sich regelmässig an Orten unserer Stadt aufhalten, welche von „Normalbürgern“ frequentiert werden. Sie gehen der Konfrontation nicht aus dem Weg und unterwerfen sich nicht einem gesellschaftlichen „shaming“, das Randständige erst zu eben solchen macht. Ihre Präsenz an sogenannt „normalen“ Orten ist ebenfalls ein Aushalten und dient einem Zweck, der weit grösser ist als die paar Franken, die sie im Lauf eines Tages erbetteln.

vk

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